Aus dem Leben von Jakob Lorber (1800-1864)

"Steh auf, nimm deinen Griffel und schreibe!"; diese Worte hörte der 40-jährige Jakob Lorber am Morgen des 15. März 1840 ganz deutlich in seiner Herzgegend. Er war damals ein stellenloser Hauptschullehrer und Musiker. Die Aussichten, als Lehrer eine feste Anstellung zu bekommen, waren gering, aber endlich war ihm in Triest eine Stelle als Kapellmeister angeboten worden, die er auch anzutreten gedachte. Die von ihm vernommene innere Stimme aber bewegte ihn, darauf zu verzichten und statt dessen getreu bis an sein Lebensende im Jahre 1864 die ihm diktierten Worte aufzuschreiben.

Lorber war kein Wissenschafter. Am 22. Juli 1800 in Kanischa in der Südsteiermark (heute Slowenien) geboren, wuchs er in einfachen ländlichen Verhältnissen heran. Auffallend an ihm war eigentlich nur seine besondere musikalische Begabung, die im Hause seines Vaters auch entsprechend gefördert wurde. Später besuchte Jakob die Gymnasien in Marburg und Graz, wo er den Abschluss als Hauptschullehrer bestand, dann aber keine ihm entsprechende Stelle fand. Er erteilte zwar mit Erfolg Privatunterricht in verschiedenen Fächern, aber es zog ihn immer mehr zur Musik hin. Er spielte verschiedene Instrumente, und auf der Geige konnte er virtuos spielen. Geistig war Jakob Lorber ein Suchender, der sich zum Beispiel auch mit Böhme und Swedenborg beschäftigte. Seiner christlichen Grundeinstellung blieb er stets treu, und die Bibel bedeutete ihm viel.

Jakob Lorber wird oft als "Schreibknecht Gottes" bezeichnet. Dies will heissen, dass er das Geschriebene nicht aus sich selbst heraus holte, sondern seine Werke nach dem inneren Diktat niederschrieb. Er hatte das "innere Wort", wie man zu sagen pflegt. Geld verdienen konnte und wollte er nicht damit. Wie viele Propheten führte Lorber ein einfaches und ärmliches Leben, doch seine Freunde sorgten für das Notwendigste, und wenn er auch wenig hatte, so reichte es doch aus, um noch bedüftigeren Menschen hin und wieder ein Almosen zu geben.

Als Lorber 64 Jahre alt war, konnte er auf ein grosse Werk zurückblicken, das ihm von einer höchsten Quelle übermittelt wurde. Er starb am 24. August 1864 in seinem Bett. Er hatte seinen Tod vorausgesehen.